Die Schauspieler von Einar Schleef
Premiere am 28. März 2008
Wie kann man Armut im Theater darstellen? Wer in Armut lebt, dem fehlen meist nicht nur ökonomische Ressourcen, sondern auch die Mittel und Foren, sich selbst und die eigene prekäre Lebenslage in der Öffentlichkeit darzustellen. Wer über diese Mittel verfügt – etwa Politiker, Journalisten, Künstler, Intellektuelle –, der spricht hingegen, wenn er von Armut spricht, meist von der Armut anderer. Der Skandal der Gesichtslosigkeit des Elends wird dabei häufig nicht einmal berührt, sondern vielmehr verdeckt. Um im Theater die Sprach- und Gesichtslosigkeit des Elends nicht zu verdecken, sondern allererst sicht- und hörbar werden zu lassen, gilt es daher, das Verhältnis von Stellvertretung und Darstellung selbst in den Blick zu nehmen. In Einar Schleefs Theaterstück „Die Schauspieler“ aus dem Jahr 1986 geht es um dieses Verhältnis. Das Stück orientiert sich an Aufzeichnungen Konstantin Stanislawskis über die Vorbereitung der Uraufführung von Maxim Gorkis „Nachtasyl“: Schauspieler besuchen ein Asyl und treffen dort auf die Menschen, die sie auf der Bühne darstellen wollen. Schleefs Stück befragt das gegenwärtige Theater. Es fragt danach, wie eine solche Begegnung mit der Wirklichkeit außerhalb des Theaters heute aussieht und was sie bewirkt. Im Verlauf des Stückes entgleitet den Schauspielern die Frage, wie sie die Armen auf der Bühne verkörpern und darstellen können. Am Ende ist die Frage nach der Darstellung von Armut selbst prekär geworden und das Theater erscheint als Parasit der Ausgeschlossenen.
„Wie kann man Theater machen angesichts von Elend, Krankheit, Tod? Ist Theater Luxus? Ist das Theater tot? Diese Fragen werden nicht nur an Theatermacher heran getragen, sie stellen sie sich längst selbst. Die packende Inszenierung von Einar Schleefs "Die Schauspieler", die am Freitag in der Theaterhalle am Solimare Moerser Premiere hatte, gibt eine Antwort: Nirgendwo sonst als im Theater werden so unmittelbar und intensiv Fragen an das Menschsein gestellt.“ Anne Horstmeier, NRZ
Premiere 28. März 2008, Ringlokschuppen Mülheim an der Ruhr, Inszenierung: Alexander Kerlin, Fabian Lettow und Mirjam Schmuck, Kostüm: Trixy Roÿeck, Regiemitarbeit: Jasmin Stommel, Lisa Overmann, Mann 1: Kolja Schmidt, Mann 2: Detlev Seitz, Mann 3: Patrick Dollas, Frau: Bianca Künzel, Hausvater: Mirjam Schmuck, Schauspieler 1: Burkhard Forstreuter, Schauspieler 2: Hans-Christian Mühlmann, Schauspielerin 1: Mi-Sah Rehnolt, Schauspielerin 2: Julia Dillmann, Chor: Frauke Daum, Kathrin Ebmeier, Marina Eichler, Kama Frankl, Petra Hollstein, Caroline Martiny, Kirsten Möller, Rasmus Nordholt, Sebastian Radermacher, Feeke Rascher, Gregor Runge, Sebastian Schröer, Lisa Schwalb, Jascha Sommer, Dobrina Trifonova, Nadine Voß, Julia Warnemünde, Klaas Werner, Manuel Zauner, Technik: Thomas Noll, Stefan Sander, Jennifer Reining, Friedemann Hartkopf, Felix Hüttemann, Licht: Christian Aufderstroth, Stefan Göbel
Die Produktion wurde in der Kategorie Wichtigstes deutschsprachiges Stück in der Kritikerumfrage 2008 der Zeitschrift Theater Pur genannt.
Eine Koproduktion des Schlosstheater Moers mit dem Ringlokschuppen Mülheim und in Zusammenarbeit mit favoriten 08 – Neue Freunde Dortmund, dem Pumpenhaus Münster und dem Institut für Theaterwissenschaft Bochum.
