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+++FASADA 1/2+++

Premiere: 22.Oktober,  Teatr Nowy, Kraków (PL)

Frühjahr 2012 im FFT Düsseldorf und dem Ringlokschuppen Mülheim/Ruhr

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Auf einem Krakauer Hinterhof in der ul. Gazowa, mitten im alten jüdischen Viertel Kazimierz, hat das kleine Teatr Nowy seinen Standort eröffnet. Im Sommer 2011 wird das kainkollektiv dort eine Handvoll deutscher und polnischer Geisterjäger versammeln, die ihre Mission der polnischen Zukunft verschreiben wollen. Wir wollen zusammen mit dem Theater der „zerrissenen polnischen Seele“ (Stasiuk) ein Haus einrichten, in das wir die Geister der Vergangenheit und der Zukunft zur Untermiete einladen. Fundorte, Spuren, Hinterlassenschaften, Erbstücke ohne Testament werden von uns zusammengesetzt zu einem neuen alten Haus. Drei polnische Performer verhandeln auf der Bühne, was wir in einer zweimonatigen Recherchephase in Krakau an Dokumentarischem aufspüren und zusammen mit dem Dramaturgen des Teatr Nowy Tomasz Kirenczúk zu einem Text über polnisch-deutsche Zeitgenossenschaft und Europa im 21. Jahrhundert verarbeiten werden. In einem zwischen den Kulturen, zwischen Ost und West, zwischen den Sprachen angesiedelten Dialog arbeiten wir an einem theatralen Zustand der Porosität und lösen die kulturellen und sozialen Zuschreibungen so weit auf, dass die Dinge, auf die wir stoßen, uns durchqueren können, um verändert und durch die Begegnung bereichert auf der Bühne zu erscheinen. Mit von der Partie: Die Gespenster, die wir rufen oder die uns, unerwartet, entgegenkommen. Die drei Performer versuchen, textlich, körperlich und musikalisch zu bestimmen, wo und wie sich ihre Leben heute, im Krakau des 21. Jahrhunderts, verorten lassen. Sie klettern durch die mit historischen Fundstücken aufgetürmte Landschaft, setzen ihre Körper in Relation zu ihr, verschwinden hier und erscheinen dort, erforschen am eigenen Leib, was ihnen fremd, was vertraut erscheint und erzählen davon, wie das Leben in Polen heute ist – oder wie es sein könnte. Sie entlocken der Trümmerlandschaft zarte Klänge und schroffe Sounds, die sich zum Stadt-Beat auswachsen. Darin ertönt ein Chor, der jenen vergessenen Stimmen antwortet, die in Krakaus Geschichte kein Gesicht und keine Sprache haben. Die Arbeit mündet in einen time clash, in dem wir unsere Gegenwart kollabieren lassen, um sie für das Unerwartete zu öffnen. In einem Raum zwischen Installation, Performance und Theater arbeiten wir damit am „Einbruch der (deutsch-polnischen) Realität“ im doppelten Sinn.

"Denn die polnische Seele ist zerrissen und kann keine Ruhe finden. Sie irrt zwischen Ost und West hin und her. Einmal fühlt sie sich wie ein Eindringling, das andere Mal wie ein Verräter. Eigentlich ja getauft, glaubt sie doch nicht so recht an die eigene Unsterblichkeit. Vielleicht treibt uns gerade deshalb die Vergangenheit so sehr um und denken wir nur ungern und ängstlich an die Zukunft. Ohne an die Auferstehung zu glauben, glauben wir, dass unsere Vergangenheit nicht ganz stirbt und Jahr für Jahr in einer Novembernacht in Gestalt von Gespenstern und Geistern erscheint. Denn im Grunde haben wir nichts außer der eigenen Vergangenheit. Nur sie gehört tatsächlich uns, sie allein bestimmt unsere Identität. Um zu überdauern, müssen wir immer wieder auf sie zurückkommen und heilige Feuer auf ihrem Grab entzünden." (Andrzej Stasiuk: Im Innersten zerrissen, Artikel in: Cicero, August 2010)

FASADA 1/2“ ist eine Koproduktion von Ringlokschuppen Mülheim, Forum Freies Theater Düsseldorf und dem Teatr Nowy, Krakau. Gefördert durch das NRWKULTURsekretariat"